VORBEREITUNG
Die inhaltliche Vorbereitung der Delegation der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel auf die NMUN 2010 soll zum einen durch drei Vorbereitungswochenenden gewährleistet werden, die von den Teilnehmern selbst organisiert und gestaltet werden. Ziel der Wochenendseminare ist es, dass alle Delegierten aus den verschiedensten Fachbereichen die für die Teilnahme unbedingt notwendigen Kenntnisse zu den Vereinten Nationen und ihrer Bedeutung, zum zu vertretenden UN-Mitglied sowie zu den "Rules of Procedure" innerhalb des Planspiels erlangen. Des Weiteren wird die inhaltliche Vorbereitung in diesem Jahr bestimmt durch ein mehrtägiges Seminar in Zusammenarbeit mit der Europäischen Akademie Berlin (EAB). Die Fahrt nach Berlin wird zudem eine Probesimulation sowie den Besuch des Auswärtigen Amtes und der Vertretung des Königreichs Kambodscha beinhalten. Im Rahmen unseres Aufenthalts in New York beabsichtigen wir dann, die Ständige Vertretung der Bundesrepublik Deutschland bei den Vereinten Nationen zu besuchen.
Die Mitglieder der Kieler Delegation erhoffen sich von dieser Vorbereitung, eine solide Basis für die Teilnahme am Planspiel zu schaffen, um tatkräftig am Projekt NMUN 2010 mitwirken zu können.
Alle wichtigen Vorbereitungstermine auf einen Blick
| jeden Dienstag | |
18:00 | |
Stammtisch im enVito Ahlmannstr. 24 |
| 05-06.12.2009 | | 09:00-17:00 | | Erstes Vorbereitungswochenende ("Die Vereinten Nationen") |
| 16-17.01.2010 | | 09:00-17:00 | | Zweites Vorbereitungswochenende ("Das Königreich Kambodscha") |
| 23-24.01.2010 | | 09:00-17:00 | | Drittes Vorbereitungswochenende ("Rules of Procedure") |
| 03-07.03.2010 | | ganztägig | |
Seminar in der EAB Berlin, Besuch des Auswärtigen Amtes |
| 28.03-01.04.2010 | | ganztägig | |
NMUN 2010 in New York |
| April-Juni 2010 |
| beliebig | | Erstellung des NMUN-Readers |
1. Vorbereitungsseminar (5. und 6. Dezember 2009): "Die Vereinten Nationen (UN)"
Bereits kurz nachdem sich die Kieler Delegation Ende November formiert hatte, sollte eine intensive inhaltliche Vorbereitung auf unsere Teilnahme an der Konferenz Ende März 2010 beginnen. An diesem ersten Wochenendseminar beschäftigten sich die 15 Delegierten ausführlich mit den Vereinten Nationen als politischer Institution, ihrer Bedeutung in der internationalen Politik und ihren heutigen Herausforderungen und Aufgaben. Schon dieses erste Vorbereitungsseminar sollte neben der inhaltlichen Vorbereitung dazu dienen, die Delegierten mit der Atmosphäre und dem Umfeld während des Planspiels vertraut zu machen; daher wurde bereits hier ein Dresscode gewahrt und in der Amts- und Arbeitssprache der UN auf englisch kommuniziert; diese Auflagen sollten höchstens durch vorweihnachtliche Stimmung und Verpflegung gelockert werden.
Die inhaltliche Auseinandersetzung mit den Vereinten Nationen gestalteten die Delegierten vor allem durch Referate mit anschlie?ender Diskussion und Ausblick. Innerhalb des ersten Themenschwerpunktes "Who is setting the tone? - The United Nations System and the need
for reform" gewannen die Studierenden Einblicke in Struktur und Organe der Vereinten Nationen sowie die Rolle und Möglichkeiten ihrer Mitglieder; diese wurden folgend im Hinblick auf die Notwendigkeit von Reformen diskutiert. Daraufhin befasste sich die Delegation mit der Frage "The UN Charter and Human Rights - Human rights mechanisms between cooperation and efficiency"; nach einem kurzen Einblick in den Menschenrechtsbegriff und deren Geschichte befassten sich die Referate mit den Mitteln der UN, Menschenrechte als ein grundlegendes Ziel zu gewährleisten. Die heutige Perspektive einer Menschenrechtspolitik der UN im Kontext internationaler Konflikte und Menschenrechtsverletzungen wurde danach kontrovers diskutiert. Einen dritten Schwerpunkt bildete das Thema "Facing the challenges? The UN and the global economic challenges of the 21st century", wobei neben dem Umgang der UN mit globaler Armut und wirtschaftlicher Ungleichheit vor allem die Finanzkrise und ihre unterschiedlichen Dimensionen in den UN-Mitgliedsstaaten im Vordergrund stand. Anhand dessen wurde dann die Rolle und die inhaltliche Ausrichtung der Bretton-Woods-Organisationen IWF und Weltbank diskutiert und die Perspektive einer globalen UN-Wirtschaftspolitik beleuchtet. Der folgende Teil des Seminars wurde von den Aufgabenbereichen der Vereinten Nationen "Health, development and sustainability" bestimmt; hier ging es zum einen um die globale Bedrohung durch HIV und weiteren Pandemien wie der Schweinegrippe, ihren verschieden geprägten Ausmaßen in den Mitgliedsstaaten und um den Umgang der Vereinten Nationen, speziell der Weltgesundheitsorganisation WHO, mit diesen Herausforderungen. Zum anderen wurden die verschiedenen Dimensionen von "Entwicklung" und "Nachhaltigkeit" skizziert, und mit welchen Konzepten die UN beide Ziele zu erreichen versucht. Die von der UN ursprünglich bis zum Jahr 2015 angestrebten "Millennium Development Goals" boten hier Anlass zu intensiven Diskussionen. Anhand der Fragestellung "Promoting peace and security?" erlangten die Delegierten Kenntnisse zu den Konzepten der UN zu kollektiver Sicherheit und Friedenssicherung, sowie dessen unterschiedliche Stufen und Ansätze von "Peace-keeping" bis hin zu "Nation-building". Schon hier diente uns das Königreich Kambodscha und die dortige UN-Mission UNAMIC als Beispiel; Themen der Diskussion waren vor allem die Probleme innerhalb von einigen UN-Friedenseinsätzen und dessen mögliche Ursachen und Lösungen sowie der Terrorismus als Herausforderung der UN-Friedenspolitik heutiger Zeit. Einen letzten Schwerpunkt bildete aus aktuellem Anlass das Thema "The UN and its role in the field of global environmental policy"; nach einem Einblick in die Geschichte dieses Handlungsfeldes der Vereinten Nationen, über Institutionen und Konferenzen, bestimmten die Dringlichkeit von Problemen wie Klimawandel und die Verantwortung der einzelnen Mitglieder die Auseinandersetzung, die mit einem Ausblick auf die anstehende UN-Klimakonferenz in Kopenhagen abgeschlossen wurde.
Neben diesen Einblicken in zentrale Aufgaben und Herausforderungen der UN und den Ausblicken auf ihre zukünftige Rolle, blieb noch etwas Zeit, uns konkret im Hinblick auf die NMUN 2010 mit den Komitees zu beschäftigen, in denen wir während der Konferenz sitzen werden. Neben den vier Komitees innerhalb der "General Assembly" werden wir das Königreich Kambodscha in der "Commission on the Status of Women" und der "Association of Southeast Asian Nations (ASEAN)" vertreten; hier diskutierten wir in zahlreichen Gesprächen deren voraussichtliche Programmpunkte und legten so den Grundstein dafür, uns später den einzelnen Komitees zuzuordnen. Schließlich machten wir Fotos für die Homepage unserer Delegation, und klärten einige organisatorische Fragen z. B. zu den Flugdaten oder der Hotelreservierung und besprachen uns abschließend für unseren Stammtisch in der darauf folgenden Woche.
2. Vorbereitungsseminar (16. und 17. Januar 2010): "Das Königreich Kambodscha"
An diesem zweiten Seminarwochenende startete die Kieler Delegation voller Vorfreude auf ihre Teilnahme an der NMUN in wenigen Wochen ins neue Jahr und setzte ihre Vorbereitung auf die Simulation in New York fort. In insgesamt 12 Referaten mit anschließender Diskussion verfolgten wir das Ziel, intensive Einblicke in die Geschichte, die Politik und Kultur des Königreichs Kambodscha zu gewinnen; wir erhofften uns, so einige unbedingt notwendige Kenntnisse zu erlangen, um unserer Rolle in New York gerecht werden und die Interessen des Landes angemessen vertreten zu können. Jeweils zwei Mitglieder unserer Delegation werden dann im Rahmen der Simulation die Rolle des südostasiatischen Staats in sechs Gremien, in der Hauptversammlung sowie den drei Komitees der UN General Assembly sowie der Commission on the Status of Woman und der Association of Southeast Asian Nations (ASEAN) einnehmen.
Innerhalb des ersten Referats zur Geschichte des Landes erhielten wir Delegierte einen Überblick in die jahrhunderte andauernde und durch zahlreiche Unruhen und Veränderungen geprägte Entwicklung des Königreichs von französischer Kolonialherrschaft bis heute. Einen Schwerpunkt bildete hier die Terrorherrschaft der Roten Khmer unter Pol Pot und die noch immer spürbaren Auswerkungen dieses Regimes auf die heutige Situation des Landes. Im zweiten und dritten Referat zum "Governmental System & political actors" und der UN-Friedensmission UNTAC in Kambodscha beschäftigten wir uns mit den Besonderheiten und der Entstehung der heutigen konstitutionellen Monarchie und deren Akzeptant auf internationaler politischer Ebene. Nach diesen Grundlagen bildeten mehrere Referate zur Politik des Landes, regional und global sowie zu den verschiedenen Politikfeldern, den zweiten Schwerpunkt des Seminars. Hier bearbeiteten wir zum einen die politischen Beziehungen Kambodschas sowohl zu den direkten Nachbarn als auch zu der Europäischen Union und der USA sowie die Abhängigkeit von Finanzhilfe besonders aus der Volkrepublik China und die dadurch bedingten Folgen. Außerdem beleuchteten wir kritisch in Referat und Diskussion zur "Development Cooperation in Cambodia" die Nutzung dieser Finanzhilfe in entsprechenden Entwicklungsprojekten und deren bisherige positive und negative Ergebnisse. Im darauf folgenden Referat zur wirtschaftlichen Lage des Landes erlangten wir einen Eindruck zu den ökonomischen Potenzialen und Interessen eines der "Least Developed Countries" und diskutierten schwerwiegende Probleme wie die der Korruption oder der Währungsschwäche. In einem folgenden Exkurs zu der "Association of South East Asian Nations" (ASEAN), die als Kooperationsbündnis den Beobachterstatus bei den Vereinten Nationen innehat, betrachteten wir die Erfolge, Ziele und Probleme dieser Organisation. Innerhalb dieser ist Kambodscha seit 1999 reguläres Mitglied, hat jedoch als eines der ärmsten Mitgliedsländer eine bestimmte Rolle inne, die auch auf entsprechende Interessen und Verhaltensweisen des Landes in der Region und auf globaler Ebene hinweist. Im dritten Themenschwerpunkt dieses Wochenendes beschäftigten wir uns mit den Hintergründen dieser Politik, also mit der Gesellschaft, Natur und Kultur des Landes und seiner Bevölkerung sowie mit sozialen Fragen. Im Rahmen des Referats zur "Mediation in Cambodia: The trails againts the Khmer Rouge" diskutierten wir den Umgang Kambodschas mit dem Terrorregime sowohl aus historisch-kultureller als auch aus juristischer Perspektive. Das Referat zum Thema "Religion" verdeutlichte uns den Stellenwert von kulturellen Traditionen für die Kambodschaner. Daraufhin behandelten wir die "Environmental Issues" innerhalb der Politik und Gesellschaft Kambodschas und diskutierten intensiv die Bedeutung ökologischer Fragen im Konflikt zwischen ökonomischem Aufschwung des Landes und der Bewahrung seiner kulturellen und ökologischen Vielfalt sowie die bisherige Position Kambodschas in der UN zu diesen Themen. In den zwei abschließenden Referaten ging es zum einen um die Situation der verschiedenen "Ethnic groups and minorities" Kambodschas, vor allem um das Verhältnis und die gesellschaftliche Stellung der Bevölkerungsgruppen der Khmer und der Minderheiten vor allem aus anderen südostasiatischen Staaten wie China oder Vietnam. Außerdem betrachteten wir abschließend "The Role of women/gender issues"; hier diskutierten wir die Probleme bei der Durchsetzung von Frauenrechten und konkrete Verbesserungsprojekte und behandelten daneben auch damit zusammenhängende Fragen aus anderen Bereichen wie der Bildungspolitik des Landes.
Zusammenfassend beabsichtigten wir an diesem Wochenende durch die unterschiedlichen Themen uns ein grundlegendes Verständnis der Politik, Interessen und Probleme, aber auch der Vielfalt Kambodschas zu vermitteln und nehmen aus den Diskussionen viele Anregungen mit, uns anhand verschiedener Medien weiter mit "unserem" Land zu beschäftigen.
Kurz vor Abschluß des Seminars blieb uns noch etwas Zeit für einige organisatorische Fragen zum Sponsoring und den Buchungen unserer Flüge; zudem tauschten wir uns kurz über die Inhalte des nächsten Seminars am kommenden Wochenende aus, indem wir z. B. für eine erste Probesimulation eine Auswahl an Rollen bzw. Ländern unter uns aufteilten.
3. Vorbereitungsseminar (23. und 24. Januar 2010): "Rules of Procedure"
Während unseres dritten Vorbereitungswochenendes befassten wir uns intensiv mit den "Rules of Procedure" innerhalb des NMUN - Planspiels, also im weiteren Sinne mit den Verhaltensregeln, der Sprache und den Verhandlungsschritten auf (simuliertem) diplomatischen Parkett. Der Erfolg der gesamten Konferenz mit mehreren Tausend Studierenden aus aller Welt beruht auf der Einhaltung strenger Regeln, vom Dresscode über eine genaue Kenntnis der einzelnen Verhandlungsphasen und dem Vokabular der Diplomatensprache bis hin zur Wahrung von "decorum", dem Respekt gegenüber den Regeln und allen weiteren Teilnehmern gerade auch in kontroversen Diskussionen. Diese strengen Regeln sollen ein realistisches Abbild der UN-Diplomatie ermöglichen und als Umgebung für zielführende Verhandlungen und die Erstellung von Resolutionen dienen. Als Kieler Delegation bemühten wir uns an diesem Wochenende, uns entsprechend mit diesen Regeln vertraut zu machen, um so diesem Ziel der NMUN gerecht werden zu können.
Hier konnten wir zum einen sehr von den Erfahrungen unserer Head Delegates profitieren: Zunächst besprachen wir theoretisch die wichtigsten Schritte und es gelang uns, in intensiver Diskussion aus ihren Berichten aus den Vorjahren aufschlußreiche Antworten auf detaillierte Fragen zu erlangen. So erfuhren wir z. B. von den vielfältigen Möglichkeiten, durch die verschiedensten "motions" das Verhandlungsgeschehen gezielt mitzubestimmen, und lernten ihre Bedeutung bzw. die Rangfolge dieser Anträge und die jeweils dazugehörigen Abstimmungsverfahren kennen. Wir diskutierten die einzelnen Verhandlungsschritte vom "agenda setting" über die Erstellung von "working papers" und "draft resolutions" bis zur Verabschiedung von Resolutionen in der "voting procedure". Zudem vergegenwärtigten wir uns die besondere Bedeutung des "Caucusing", also informellen Debatten zwischen den formellen Sitzungen. Dieser Teil der Simulation wird für uns entscheidend sein, denn hier liegt es an uns, durch Schaffen von Bündnissen und hohen Einsatz selbst für einzelne Worte innerhalb einer Resolution die Interessen Kambodschas angemessen zu vertreten.
Nach dieser intensiven Einführung versuchten wir auch gleich, das soeben Gelernte praktisch umzusetzen und in einer ersten Probesimulation der UN General Assembly Plenary zu vertiefen. Unser Dank gilt hier Carsten Guderian, Vize-Präsident des ISC Kiel und selbst ehemaliges Mitglied der Kieler Delegation 2007 und 2008, der als "chair" unsere Verhandlungen leitete und für das Einhalten unter Anderem der "speakers time" sorgte. Nach Einnahme unserer verschiedenen Rollen konnten wir uns nach erstem "caucusing" und formellem "voting" darauf einigen, das Thema "Promotion of Sustainable Energy" zu behandeln. Nach kontroversen Verhandlungen und aufwändigem "roll call vote", bei dem ein jeder Staat einzeln zu seiner Positionen zu den Resolutionen gefragt wird, wurde die Debatte schließlich geschlossen. Wir konnten so einen ersten Eindruck in die Vielfalt der NMUN-Diplomatie gewinnen, den wir innerhalb weiterer Probesimulationen, unter Anderem im unserem Seminar bei der Europäischen Akademie in Berlin weiter vertiefen werden.
Zudem durften wir zu unserem Seminar Birte Schmidt von den Kieler Nachrichten begrüßen uns freuen und bedanken uns sehr, dass sie einen Artikel über das Projekt NMUN an der Uni Kiel, über unsere Delegation und ihre Vorbereitung schreiben wird. Sobald dieser erschienen ist, weisen wir in unserem Blog (http://nmun2010.blogspot.com) darauf hin.
Unsere weitere Vorbereitung wird neben dem Besuch in Berlin, wo wir auch mit den Vertretern verschiedener politischer Institutionen in Kontakt treten werden, vor allem vom Verfassen von "position papers" bestimmt sein. Diese dienen dazu, dass alle Delegationsteilnehmer, basierend auf bisherigen Resolutionen und internationalen Vereinbarungen sowie der Politik und Kultur Kambodschas, sich umfassend mit den drei Themen befassen, die ihre jeweiligen Komitees behandeln und die die Agenda während der Konferenz bestimmen werden. Wir werden in den kommenden Tagen anhand individueller ausführlicher Recherche an diesen Themen arbeiten, um dann die "position papers" rechtzeitig vor Beginn der Simulation nach New York schicken zu können. Des Weiteren planen wir neben unseren regelmäßigen Treffen noch vor oder während unseres Berlinseminars weitere Vorbereitungsaktivitäten wie z. B. einen Filmabend; hierüber, und natürlich auch über unsere Aufenthalte in Berlin und New York, werden wir rechtzeitig in unserem Blog informieren.